Kompetenzzentrum für Flüchtlinge
Beratung und Mentoring

Gut beraten und persönlich unterstützt finden Menschen mit Fluchthintergrund ihren Weg in den Arbeitsmarkt

Oft sind es unzureichende Sprach- oder Fachkompetenzen, die die berufliche Integration geflüchteter Menschen erschweren. Ein Kompetenz- und Lernzentrum in Frankfurt bietet fachliche Beratung zur beruflichen Weiter- und Nachqualifizierung.

Gefördert von der randstad stiftung hat die Walter-Kolb-Stiftung e. V. ein Kompetenzzentrum für Menschen mit Migrationshintergrund und Flüchtlingen mit dauerhafter Bleibeperspektive gegründet. Die Mitarbeiter des Kompetenzzentrums helfen bei der beruflichen Integration und Nachqualifizierung. Das Zentrum ist Ansprechpartner für Arbeitssuchende, Beschäftigte und Unternehmen. Auch Social- und Soft-Skills-Trainings gehören zum Serviceangebot.

Die speziell geschulten und mehrsprachigen Berater unterstützen bei der Klärung von Aufenthaltsstatus und Arbeitserlaubnis und bei der Suche nach passenden Nachqualifizierungsangeboten. Sie helfen bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen, bei der Einschätzung der mitgebrachten Kompetenzen oder in arbeitsrechtlichen Fragen. Bei Bedarf können muttersprachliche Mentoren Mitarbeiter mit Fluchthintergrund in der ersten Zeit ihrer Beschäftigung begleiten. 

Das Kompetenzzentrum hat im Juli 2017 seine Arbeit aufgenommen und stützt sich auf ein breites Netzwerk von Unternehmen, Bildungseinrichtungen sowie Kammern, Verbände und Arbeitsagenturen.

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Fallbeispiel

7.8.2017

Ein Fallbeispiel aus dem Kompetenzzentrum

Herr H. studiert in Syrien Wirtschaftswissenschaften. In seinem Abschlusssemester erhält er die Nachricht, dass er sofort nach dem Ende seines Studiums in das Militär eingezogen werden soll. Schweren Herzens entscheidet sich die Familie dazu, die Mutter von Herrn H. mit den beiden Söhnen ins Ausland zu schicken. Der Vater bleibt in Damaskus.

Die Mutter und die beiden Söhne fliehen über die Türkei. Zweimal werden sie im Verlauf der Flucht abgefangen und in die Türkei zurückgebracht. Bis sie endlich Griechenland erreichen, sind sie immer wieder Gewaltandrohungen ausgesetzt, werden inhaftiert und verbringen Tage ohne Essen und Trinken.

Nach der Ankunft in Frankfurt am Main erhalten sie relativ schnell Asylrecht. Der 17-jährige Bruder von Herrn H. möchte Geld verdienen, um Herrn H. das Studium in Deutschland zu ermöglichen und dem Vater in Damaskus Geld zu schicken.

Von den Organisationen und Behörden, die ihm bei der Integration in den Arbeitsmarkt helfen sollen, ist Herr H. zunächst enttäuscht: Zu widersprüchlich sind die Informationen, die er in Hinblick auf die Zulassungsvoraussetzungen zum Studium erhält.

Daher versucht er auf eigene Faust, sein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Deutschland zu beenden. Die Mitarbeiter des Kompetenzzentrums können ihm in einem ersten Beratungsgespräch grundsätzliche Informationen geben und falsche bzw. falsch verstandene Informationen korrigieren. Gemeinsam mit Herrn H. entwickeln die Mitarbeiter des Kompetenzzentrums einen Plan, wie Herr H. seine Ziele – Verbesserung der Deutschkenntnisse, Aufnahme des Studiums, Anerkennung der Studienleistungen aus Syrien – umzusetzen kann. Das Kompetenzzentrum vermittelt dem Bruder von Herrn H. einen Praktikumsplatz in einem KfZ-Betrieb. Auf dieser Grundlage kann er im kommenden Jahr eine Ausbildung beginnen.

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