InkluJobs
Engagement für Inklusion im Arbeitsleben

Barrieren abbauen durch Sensibilisierung, Beratung und operativen Support in Unternehmen: für mehr berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung.

Wie können Unternehmen Voraussetzungen und Strukturen schaffen, damit Inklusion im Arbeitsleben verwirklicht oder verbessert werden kann? Das Beratungs- und Unterstützungsangebot »InkluJobs« verfolgt einen praxisbezogenen und innovativen Ansatz.

»InkluJobs« unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen zielgerichtet und kostenfrei, die berufliche Teilhabe behinderter Menschen im Betrieb zu ermöglichen und zu verbessern – durch Sensibilisierung, Beratung und operativen Support.

Sensibilisierung

Peer-Beraterinnen und -Berater, die Herausforderungen und Chancen von Inklusion am Arbeitsplatz aus eigener Erfahrung kennen, sensibilisieren in Workshops Führungskräfte und Mitarbeiter in Unternehmen für soziale und berufliche Teilhabe.

Beratung

Expertinnen und Experten aus inklusionserfahrenen Betrieben beraten Unternehmen, die sich barrierefrei aufstellen möchten, zu möglichen Förderleistungen und zu inklusionsgeeigneten Jobprofilen.

Operativer Support

Inklusionsberaterinnen und -berater unterstützen operativ, wenn es um die Vermittlung geeigneter Kandidaten, die Beantragung von Fördergeldern oder die Verstetigung der Arbeitsverhältnisse in Unternehmen geht. 

»InkluJobs« ist ein Kooperationsprojekt des Netzwerks Inklusion Deutschland e.V.  mit der Initiative Good Growth, die einen werteorientierten Beratungsansatz vertritt. »InkluJobs« wird gefördert vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, dem Landeswohlfahrtsverband Hessen und der randstad stiftung. Das hessische Pilotprojekt ist zunächst befristet bis Ende 2017. Eine bundesweite Implementierung ist möglich.

Bericht

Bericht
4.11.2016

Ein Jahr aktiv für InkluJobs

»InkluJobs« will Unternehmen für mehr Inklusion in der Arbeitswelt sensibilisieren und sie dabei unterstützen, die notwendigen Voraussetzungen für mehr Stellen und Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Die wichtigste Informationsplattform ist die Website. Hier erhalten Unternehmen und Menschen mit Behinderung einen Überblick zu den angebotenen Dienstleistungen.

Informationen für inklusionsinteressierte Unternehmen

Neben der Website haben die Initiatorinnen im vergangenen Jahr eine Informationsbroschüre für Unternehmen erstellt. Mit zielgerichteter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit haben sie das Thema Inklusion in den Medien platziert und am Ausbau ihres Netzwerks gearbeitet. In Kooperation mit der IHK Frankfurt und der Stabstelle Inklusion der Stadt Frankfurt am Main soll im Frühjahr 2017 eine Veranstaltung für mehr Inklusion in Unternehmen werben.

Quick-Check für inklusionsgeeignete Stellenprofile

»InkluJobs« entwickelt aktuell einen Quick-Check für inklusionsgeeignete Jobprofile. Gemeinsam mit Unternehmenspartnern soll ein praxisorientiertes Instrument entstehen, das den Matching-Prozess zwischen Arbeitgebern und potentiellen Arbeitnehmern und Auszubildenden mit Behinderung vereinfacht. InkluJobs führt derzeit Informationen aus Unternehmens- und Mitarbeiterperspektive zusammen: Gibt es Arbeiten, die problemlos auch mit einer Behinderung oder mit entsprechenden Hilfsmitteln erledigt werden können? Und welche Kompetenzen bringen Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen mit, die für ein Unternehmen attraktiv sind?

Video-Portraits geben Arbeitnehmern mit Behinderung ein Gesicht

Arbeitgebern fällt es oft schwer, sich vorzustellen, wie sie Menschen mit Behinderung in Arbeitsabläufe einbinden können. Um Beispiele zu zeigen, wie inklusives Arbeiten ablaufen kann, stellt »InkluJobs« auf der Website eine Online-Plattform zur Verfügung, die Arbeitnehmern mit Behinderung Gesicht und Stimme gibt: In kurzen Video-Portraits berichten sie über ihren Job und ihre Erfahrungen. Die Kurzportraits veranschaulichen, wie Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen im Arbeitsalltag produktiv ihren Aufgaben nachgehen.

Peer-Beratung in Workshops

Nach dem Grundsatz „Nicht ohne uns über uns“ geben in den InkluJobs-Workshops Menschen mit Behinderung als Peer-Berater ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiter. Die Peer-Berater sind Mitarbeiter von Unternehmen. Durch ihre eigene Behinderung kennen sie die Herausforderungen der Arbeitswelt, aber auch die Potentiale von gelingender Inklusion. Mit Best-Practice-Beispielen geben die Berater ihr Wissen an Arbeitgeber weiter, die sich für Mitarbeiter mit Behinderung interessieren. Bislang konnte InkluJobs sieben Peer-Beraterinnen und Berater für die Umsetzung der Workshops gewinnen.

Das Pilotprojekt von Netzwerk Inklusion Deutschland e.V. und Good Growth wird gefördert vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, dem LWV Hessen Integrationsamt und von der randstad stiftung.

Interview

Gemeinsam stark für mehr Inklusion im Job

Als Sprecherin des Netzwerk Inklusion Frankfurt setzte sich Alexandra Cremer zunächst primär für die schulische Inklusion in Frankfurt ein. 2014 gründete sie ein entsprechendes Pendant auf Deutschlandebene, das Netzwerk Inklusion Deutschland. Mit ihrer Partnerin, Alexandra von Winning, Inhaberin des auf Nachhaltigkeit spezialisierten Beratungsunternehmens Good Growth, hat sie das Projekt »InkluJobs« ins Leben gerufen, zunächst für den Hochtaunuskreis und Frankfurt. Das Angebot im Rahmen des Hessischen Perspektivprogramms zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen schwerbehinderter Menschen (HePAS) ist insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen gedacht. »InkluJobs« wird gefördert vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, dem LWV Hessen Integrationsamt und von der randstad stiftung.

randstad stiftung: Das Projekt ist im Herbst 2015 angelaufen. Was ist das Ziel des Projektes?

Alexandra Cremer: Ziel ist, dass Unternehmen das Thema Inklusion bei der Besetzung von neuen Stellen eines Tages selbstverständlich mitdenken. In Stellenausschreibungen sind Menschen mit Behinderungen oft schon ausdrücklich zur Bewerbung aufgerufen, aber oftmals ist der Gedanke an die Umsetzung noch gar nicht in Unternehmen verankert.

rs: Warum, glauben Sie, sind die Unternehmen hier noch zögerlich?

Alexandra von Winning: Kleine und mittelständische Unternehmen haben oft keine rechte Vorstellung von Menschen mit Behinderung, die im Arbeitsleben stehen und wie so oft mündet „nicht kennen“ in „nicht wagen“. Zudem bleibt im operativen Geschäft kaum Zeit, sich diesem Thema und den damit verbundenen Vorurteilen gezielt zu widmen. Das möchten wir im ersten Schritt mit unseren Workshops ändern. Hierzu bringen wir 2-3 Peer-Berater mit, die eine Behinderung haben und im 1. Arbeitsmarkt beschäftigt sind. Wir bringen sie mit den Unternehmensvertretern für einen offenen Austausch zusammen. Das ist nur möglich, weil es sich nicht um eine Bewerbungssituation handelt.

rs: Ist das bei größeren Unternehmen anders?

AC: Von Großunternehmen hören wir vermehrt, dass sie explizit nach Bewerbungen von Menschen mit Behinderung fragen, aber sich keine Personen bewerben. Und dachten wir zunächst, dass die Diversity Abteilungen bereits alles wissen und unsere Workshops nicht brauchen, so stellen wir doch fest, dass die Arbeit insbesondere für Schwerbehindertenvertretungen gar nicht so einfach ist. Anders als Initiativen für Frauen oder Homosexuelle sind Behinderungen so vielfältig, dass die Betroffenen - außer dem Besitz eines Schwerstbehindertenausweises - oft keine gemeinsame Basis sehen und das Verständnis für andere Behinderungen fehlt. Auch hier können unsere InkluJobs-Workshops unterstützen.

rs: Was bieten Sie den Unternehmen im Rahmen Ihres Projektes an?

AvW: Ein Teil unseres Angebotes sind die Workshops. Hier bieten wir neben der direkten Begegnung mit unseren Peer-Beratern auch einen Überblick über Fördermöglichkeiten, Kündigungsrecht und unterstützende Institutionen. Wenn sich ein Unternehmen weitergehend interessiert, prüfen wir gemeinsam bestehende Jobprofile und überlegen mit dem Unternehmen, ob sich ein Profil nicht auch für einen Menschen mit einer bestimmten Behinderung eignen könnte. Dann muss geklärt werden, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendig sind. Oft sind es nur kleinere Hilfsmittel, wie z.B. ein größerer Monitor für eine sehbehinderte Person, eine bestimmte Software oder eine Rampe für einen Rollstuhlfahrer. Auch eine begleitende Assistenz kann notwendig sein, wenn die Behinderung umfassender ist. Zudem überlegen wir gemeinsam mit Unternehmensvertretern, ob sich aus mehreren bestehenden Jobprofilen nicht Teile herauslösen lassen, um einen neuen Job zu kreieren. Das nennt man JobCarving und ist unter Umständen eine sehr interessante Möglichkeit, um gerade auch ungelernte Kräfte in Arbeit zu bringen und Kollegen zu entlasten.

rs: Gab es ein besonderes Erlebnis im Rahmen der Workshops?

AC: Ja! Anfangs dachten wir, dass insbesondere die Unternehmensvertreter davon profitieren, unsere Workshops zu besuchen und sich innerhalb dieser Begegnung dem Thema zu nähern. Doch schon im ersten Workshop stellten wir fest, dass sich die Peer-Berater in einer völlig neuen Rolle wiederfanden, die positive Auswirkungen hatte. Zum Teil saßen sie erstmalig nicht am Tisch, OBWOHL sie eine Behinderung haben, sondern WEIL ihr einzigartiges Expertenwissen gefragt war! Das ist mal eine ganz neue Rolle. Was für die Peer-Berater völlig selbstverständlich ist und Alltag bedeutet, klingt für die Zuhörer faszinierend und ließ unsere Peer-Berater am Ende geradezu beschwingt den Raum verlassen. Ein großartiger Nebeneffekt!

rs:  Gibt es auch etwas für Unternehmen, die bereits Menschen mit Behinderung beschäftigen?

AvW: Wir suchen nach Unternehmen, die bereit sind, ein Statement in Form eines kurzen Films zum Stand und den Erlebnissen zu Inklusion in ihrem Unternehmen abzugeben. Wir sammeln diese Best-Practice-Beispiele und bieten die Veröffentlichung der Videos auf unserer Webseite an. Zudem sammeln wir Video-Portraits von Menschen mit Behinderung, die im 1. Arbeitsmarkt stehen und bereit sind, in einem kurzen Video davon zu berichten. Wir haben bereits erste Videos auf unserer Website in der Rubrik Video Portraits.

rs: Wenn jemand „Peer-Berater“ werden möchte: was muss er oder sie dann tun?

AC: Wir freuen uns über die Kontaktaufnahme von Menschen, die bereit sind, vor fremden Personen über sich und ihren Werdegang sowie ihre Behinderung zu sprechen. Da unsere Workshops tagsüber stattfinden, sollte hier auch das beschäftigende Unternehmen als Kooperationspartner mit im Boot sein. Die Peer-Berater, mit denen wir derzeit arbeiten, werden für eine bestimmte Anzahl von Workshops von ihren Arbeitgebern freigestellt und bezahlt. Wir kommen für die Fahrtkosten auf. Wie wir feststellen ist das eine Win-Win-Situation: für die Arbeitgeber, für die Peer-Berater, für die Workshop-Teilnehmerinnen und -teilnehmer und auch für uns!

Projektpartner