Kompass
Programm zur Orientierung beim Übergang
zwischen Universität und Arbeitsleben

Mit dem »Kompass« auf Kurs ins Arbeitsleben. In einem auf zwei Semester angelegten Programm erkundeten Studierende ihre persönlichen und beruflichen Ziele.

Projektabschluss
Dezember 2014
Geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Studiengänge sind bei vielen Studierenden nicht immer mit einem klaren Berufsziel verbunden. Das zweisemestrige Programm an der FU Berlin »Kompass zur beruflichen Kursbestimmung und Selbststeuerung« zeigte neue Berufsfelder und Perspektiven auf und ermöglichte mehr Orientierung bei der Berufswahl.

„Was macht man denn später damit?“ Diese Frage bekommen Studierende von interdisziplinär ausgerichteten Bachelor- und Masterstudiengängen besonders oft von ihren Eltern und Großeltern zu hören. Sie ist ein Indiz für die tiefgreifenden Umwälzungen in der Berufslandschaft und führt bei den Studierenden häufig zu Kopfzerbrechen. Studienabbrüche und Fachwechsel können Folgen dieser Unsicherheit sein.

Neue Berufsbilder für geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Bachelors

An dieser Stelle setzte der »Kompass zur beruflichen Kursbestimmung und Selbststeuerung« an, der von Oktober 2011 bis September 2014 von der randstad stiftung an der Freien Universität Berlin gefördert wurde. »Kompass« richtete sich insbesondere an Studierende von geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Bachelorstudiengängen, in denen der berufliche Orientierungsbedarf vergleichsweise hoch ist. Mit Kompass machten sich die Studierenden auf eine Entdeckungsreise nach neuen Berufsbildern und Perspektiven.

In 2 Semestern die persönlichen und beruflichen Ziele erkunden

In Seminaren, Workshops, Coachings und Praxistagen lernten die TeilnehmerInnen ihre eigenen Stärken und Chancen ebenso kennen wie die strukturellen Veränderungen der Arbeitswelt. Das zweisemestrige Programm zielte darauf ab, Werkzeuge anzubieten, mit deren Hilfe sich die Studierenden ihrer persönlichen und beruflichen Ziele bewusst werden konnten.

In systematisch aufeinander aufbauenden Programmbausteinen vermittelte »Kompass« praktische Strategien, mit denen berufliche Tätigkeitsfelder passend zu den eigenen Zielvorstellungen erschlossen werden können.

Mit dem Kompass auf Kurs in die Zukunft

Konzept und Anwendungspraxis wurden kontinuierlich evaluiert, um die zielorientierte Gestaltung von »Kompass« zu gewährleisten. Mit zwei Publikationen ist das Programm inzwischen auch wissenschaftlich aufgearbeitet. Für die randstad stiftung bildete die Förderung von »Kompass« einen Baustein im Themenfeld Berufswege & Bildungschancen, um Lern- und Arbeitswelt besser aufeinander abzustimmen und junge Menschen auf den Übergang ins Berufsleben vorzubereiten.

Abschlussbericht

Abschlussbericht
8.1.2015

Abschlussbericht zur Förderung des KOMPASS - Programms an der FU Berlin

In Kooperation mit der Freien Universität Berlin hat die randstad stiftung das Lehr- und Forschungsprojekt KOMPASS von Oktober 2011 bis einschließlich Dezember 2014 gefördert. Über den Verlauf und die Ergebnisse des Projekts informiert dieser abschließende Bericht  vor dem Hintergrund der formulierten Projektziele.

Konzept und Ziele

KOMPASS wurde 2009 unter der Leitung von Prof. Dr. Hoff an der Freien Universität Berlin entwickelt. Das Ziel des Konzepts bestand darin, Bachelorstudierende bei den Prozessen der beruflichen Planung und Selbststeuerung zu unterstützen. Dafür konzipierten Prof. Dr. Hoff und seine Mitarbeiter auf Basis früherer Forschungsarbeiten am Bereich Arbeits-, Berufs- und Organisationspsychologie ein fachübergreifendes zweisemestriges Lehrmodul mit dem Namen KOMPASS. In den Jahren 2009 – 2014 war KOMPASS als Wahlpflichtmodul im Rahmen der Allgemeinen Berufsvorbereitung ein Angebot für Studierende der FU Berlin.

Während der ersten beiden Jahre wurde das Programm vom Europäischen Sozialfond (ESF) und der Freien Universität Berlin finanziert. Nach dem großen Erfolg dieser beiden Moduldurchläufe übernahm die randstad stiftung die Förderung in Kooperation mit der Freien Universität Berlin.

Neben der didaktischen Umsetzung  waren explizite Forschungsziele vorgegeben, bei denen die wissenschaftliche Überprüfung der Programmwirksamkeit sowie explorative Fragestellungen zu individuellen Förderoptionen im Fokus standen. Die Realisierung dieser Forschungsziele erfolgte im Rahmen von zwei Dissertationsprojekten sowie einigen Abschlussarbeiten.
Darüber hinaus war im Rahmen der Zusammenarbeit mit der randstad stiftung  als weiteres Projektziel formuliert, Erweiterungs- und Transferwege zum KOMPASS-Programm zu ermöglichen.

Verlauf und Bilanzierung

In der durch die randstad stiftung geförderten Phase wurden drei Lehrdurchläufe realisiert. Insgesamt nahmen an dem Programm in dieser Zeit 131 Studierende teil, davon haben 98 Teilnehmer das zweisemestrige Programm in voller Länge erfolgreich abgeschlossen. Es muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass der vorzeitige Kursabbruch in vielen Fällen mit neuen Studienkonstellationen, wie einem Auslandssemester oder einem neuen Praktikumsplatz von Studierenden begründet und ausdrücklich bedauert wurde. Studierende haben überdies häufig berichtet, die neuen Perspektiven erst durch die Teilnahme an dem Modul entwickelt zu haben. Die unvollständige Teilnahme an dem Kurs war also bereits offensichtlich förderlich.

Das Lehrprogramm kann insgesamt – und besonders für Studierende, die daran vollständig teilgenommen haben – als erfolgreich bewertet werden. Sowohl aus der Sicht der Teilnehmer als auch aus der Sicht der Dozenten und Coachs unterstützte KOMPASS die Studierenden wirksam bei  einer Klärung und Orientierung ihrer individuellen Karrierelaufbahn und der Förderung ihrer beruflichen Selbststeuerungskompetenz.

Diese Praxiserfahrung wird auch durch die wissenschaftliche Evaluation des Programms bestätigt, die im Rahmen des Promotionsvorhabens von Christian Härtwig durchgeführt wurde. Dabei wurde über drei KOMPASS-Durchläufe hinweg geprüft, ob KOMPASS als Förderprogramm zur Zielklarheit und Karriereberatung wirksam ist. Die Ergebnisse der Evaluation zeigen eindeutig, dass die Teilnahme an KOMPASS sich signifikant positiv auf die Zielkonkretisierung und den Fortschritt bei der Realisierung geplanter Ziele auswirkt. Das Programm trägt auch zur Stärkung des Explorationsverhaltens der Teilnehmer bei. Das bedeutet, Studierende erkunden einerseits verstärkt ihr berufliches Umfeld (Optionen, Barrieren, Chancen, etc.), andererseits lernen sie ihre eigenen persönlichen Kompetenzen und Fähigkeiten besser kennen. Die Evaluation zeigt zudem, dass sich das Belastungsempfinden von Studierenden (erfasste Skalen: Berufsbezogene Identitätsprobleme und Furcht vor dem Berufseinstieg) durch die Teilnahme an KOMPASS wesentlich reduzieren lässt. Die gesamten Befunde der Programmevaluation wurden 2014 als Dissertation im Kovac Verlag veröffentlicht.

Eine weitere Dissertation im Rahmen von KOMPASS wird von Larisa Kolmans verfasst. Die Autorin war maßgeblich für alle Programminhalte im Zusammenhang mit Zielklärung und -verfolgung verantwortlich. Ihr Forschungsinteresse resultiert aus den Erfahrungen im Kurs und aus den Rückmeldungen der Kursteilnehmer. Zentrale Idee der Forschungsarbeit ist, dass individuelle Differenzen bei der Bildung, Planung und Realisierung von persönlichen Zielen in den Förderprogrammen zur Laufbahngestaltung stärker beachtet werden sollten. Anhand leitfadengestützter Interviews wird explorativ untersucht, welche interindividuellen Planungspräferenzen, subjektiven Deutungsmuster und Alltagstheorien zu persönlichen Zielen sich bei den Teilnehmern erkennen lassen und wie zukünftige Förderprogramme diesen Ergebnissen Rechnung  tragen könnten. Der Abschluss der Arbeit und die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse ist für Dezember 2015 geplant.

Transfer und Diskussion

Als zentrales Ziel zum Transfer, zur Diskussion und zur Verbreitung von KOMPASS wurde Anfang 2012 die Abfassung eines Buches zum KOMPASS-Programm beschlossen. Das Buch stellt  wissenschaftlichem Fachpublikum als auch interessierten Praktikern in kompakter Form die Ausgangslage und die Leitidee des Programms, seine theoretischen und didaktischen Konzepte sowie die Evaluationsergebnisse vor. Es erschien im Januar 2014 unter dem Titel „Berufliche Zielklärung und Selbststeuerung. Ein Programm für Studierende: Konzepte, Durchführung, Evaluation“ als E-Book und als Paper-Version im Springer Verlag.

Eine weitere Transfer-Maßnahme war die Fachtagung „Berufliche Zielklärung und Selbststeuerung: Programme für Studierende“ am 21. März 2014 in Berlin. Ziel war es, den Netzwerkaufbau sowie einen fachlichen Austausch zwischen Praktikern und Theoretikern, die im Laufbahnberatungsfeld an den Hochschulen tätig sind, zu ermöglichen. Teilnehmer waren: Vertreter von Studien- und Berufsberatungsstellen, beispielsweise aus den CareerCentern und Mentoring-Programmen, Anbieter von Programmen zur beruflichen Orientierung an den deutschen Hochschulen, Fachwissenschaftler, Vertreter von Bildungsstiftungen, Medienvertreter, Vertreter aus der Hochschulverwaltung der Freien Universität Berlin und das Hochschulteam der Arbeitsagentur.

Exemplarisch präsentierte die Tagung neben dem KOMPASS-Programm zwei weitere Angebote für Studierende: das Programm der Leibniz Universität Hannover Mit Leibniz zu Bahlsen und das Programm der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf KUBUS. In einem Gastvortrag von Prof. Dr. Hirschi, Abteilung Arbeits- & Organisationspsychologie der Universität Bern, konnten die Teilnehmer einen Einblick in die aktuelle Lage zur Karriereforschung gewinnen. Für Austausch und Diskussion wurden im Rahmen der Tagung fünf verschiedene Themenworkshops eingerichtet. Die Ergebnisse der Fachtagung sind in Form eines Tagungsberichts festgehalten und auf der Webseite der Stiftung abrufbar. 

Projektpartner